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Der Groe Christoph ein Rigenser?
23.12.2020


Die Stadt Riga betrachtet den Heiligen nicht nur als ihren sagenhaften Brger, sondern sogar als ihren mythologischen Grnder. Offenbar war die Figur schon in heidnischen Tagen recht beliebt. Kristaps-Kopie am Daugava-Ufer in Riga. Foto: J. Sedols, CC BY 3.0, Saite

Fr Katholiken ist die Christopherus-Plakette am Armaturenbrett ihres Wagens so wichtig wie Airbag und Anschnallgurt. Der riesengroe Heilige mit Stab, den man mit Kleinkind samt Kugel auf der Schulter abgebildet sieht, ist einer der 14 Nothelfer, der Schutzheilige der Autofahrer. Daneben bekleidet Christopherus noch in anderen Branchen das Amt des Sicherheits- und Sanittsbeauftragten. Der Mrtyrer bewahrt vor allem davor, zu unversehens, also ohne Letzte lung, aus dem Leben zu scheiden.  

Er ist Schutzpatron verschiedener Berufe, zu ihnen gehren neben Straenwrtern, Buchbindern, Bogenschtzen, Pfrtnern auch Seefahrer und Fler. Die zunehmende Unbill des Klimas drfte Christopherus bald viel Beschftigung bereiten, denn er hilft bei Drre ebenso wie bei Unwetter. Eine Qualifikation macht ihn uerst aktuell: Er ist heiliger Seuchenbekmpfer. Fr die geschftige Hansestadt Riga, die vom internationalen Austausch lebt, war und ist die Hilfe des Hnen recht willkommen. Er schtzt reisende Kaufleute und Touristen zu Lande, zu Wasser und in der Luft.  

Obwohl die Christen des Mittelalters alles glaubten, was die Gottesfurcht vermehrte, waren ihnen die Geschichten, die sich um Christopherus rankten, doch nicht ganz geheuer, nur die Inschrift einer antiken Kirchenruine belegt, dass an ihrer Stelle ein Christopherus sein Martyrium erlitt.

 

Brinckmanns Kristaps vor 1919, Foto: 1930. gadu atkltne, Saite

Jenen Autorittsskeptikern, die fr einen AFD-Politiker zum links-rot-grn verseuchten 68er Deutschland gehren, drfte eine Legende, die sich Christen ber Christopherus, also den Christustrger erzhlen, die Stimmung im Kinderladen grndlich vermiesen. Demnach ist es die Story eines opportunistischen Typen, der sich der Herrschaft bedingungslos unterwirft.  

Der starke Christopherus hatte es sich nmlich in den Kopf gesetzt, nur dem mchtigsten Mann der Welt zu dienen (Frauen kamen, was Macht angeht, damals noch nicht in Betracht). So diente er zunchst dem mchtigsten Knig. Als dieser Furcht vor dem Teufel zeigte, dem Teufel. Als dieser Furcht vor Christus zeigte, wollte Christopherus nur noch Christus, dem obersten Herrscher der ganzen Welt, dienen und beschloss fortan, ihm zur Ehre Menschen beizustehen und sie ber einen gefhrlichen Fluss zu tragen.

Der Gottessohn, sich als kleines rufendes Jesuskind tarnend, prfte den Riesen in einer Weise, die man heutzutage als Waterboarding bezeichnen knnte. Christopherus stieg mit dem Kleinen auf der Schulter ins Wasser und das Kind erwies sich als unerwartet schwere Last, so dass Christopherus frchtete, unterzugehen und zu ertrinken. Hierzu die Experten des Erzbistums Kln: Er glaubt, die ganze Welt ruhe auf seinen Schultern. `Mehr als die Welt hast du getragen`, sagt das Kind zu ihm, `der Herr, der die Welt erschaffen hat, war deine Brde`. Das Kind drckt ihn unter das Wasser und tauft ihn so. Am Ufer erkennt Christopherus Christus als seinen Herrn, der ihm auftrgt, ans andere Ufer zurckzukehren und seinen Stab in den Boden zu stecken. Zur Besttigung seiner Taufe werde sein Stab grnen und blhen. Als Christophorus am Morgen erwacht, sieht er, dass aus seinem Stab tatschlich ein Palmbaum mit Frchten gewachsen ist. (erzbistum-koeln.de)

Warum halten Rigenser Christopherus fr ihren Mitbrger, der die Menschen ber die Daugava trug? Sogar das wichtigste Filmfestival der Stadt ist nach dem Lielais Kristaps benannt. Das Wenige, was man ber den Heiligen wei, hat aber in Kleinasien seinen Ursprung.  

Die Legende ber den Groen Kristaps, die sich die Letten erzhlen, erscheint etwas abgendert: Zwar berichtet auch sie von einem Riesen, der Menschen ber den Fluss Ridzina trgt, der in die Daugava mndete und heutzutage unterirdisch fliet; doch das Kleinkind, das er in einer kalten Nacht auf dem anderen Ufer schreien hrte, war nicht Christus. Er trug das frierende Geschpf hinber zu sich in seine Hhle, um es mit einer Decke zu wrmen. Am nchsten Morgen war das Kind verschwunden, an seiner Schlafstelle fand der Riese einen Haufen Gold. Nachdem er gestorben war, benutzte man den Fund, um die Stadt Riga zu bauen. Spter kam die christianisierte Fassung, auf Riga gemnzt, hinzu. Wahrscheinlich haben sich auch in diesem Fall wie so oft Legenden verschiedenen Ursprungs vermischt und christianisiert.

Eine Kristaps-Figur ziert seit dem 16. Jahrhundert das Daugava-Ufer. Sie wurde von lettischen Lastentrgern, Schiffern und Flern verehrt und war zu vielen Gelegenheiten mit Bndern und Blumen geschmckt. Sie war derart beliebt, dass sie als einzige katholische Statue die protestantischen Kalenderunruhen von 1584 berstanden haben soll.  

Michael Brinckmann schnitzte ein Jahrhundert spter die 2,36 Meter hohe und hlzerne Kristaps-Statue, die an verschiedenen Orten der Innenstadt aufgestellt war. Am Ende des Ersten Weltkriegs wurde sie beschdigt und ist seitdem im Rigaer Museum fr Stadtgeschichte und Schifffahrt zu besichtigen. Am Daugava-Ufer schaut nun ein kopierter Kristaps auf den Fluss, den Gints Upitis 1997 anfertigte.  

Mge der heilige Christopherus zu den Festtagen Ihre Wege beschtzen und die Krankheiten fernhalten, damit die Lettische Presseschau Ihnen "frohe Weihnachten" wnschen darf.

UB




 
      Atpaka