Latviešu Centrs Minsterē

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Ausstellung und Online-Vortrag zum Maler Georg Wilhelm Timm
11.01.2022


Vielseitiges Kunstschaffen in Petersburg, Paris, Riga und Berlin

"Der Schreiber" von Georg Wilhelm Timm, Foto: Gemeinfrei, Link

 “Georg Wilhelm Timm (1820-1895) - Künstler, Herausgeber, Reisender”  lautet der Titel der Ausstellung, die vom 15. Januar bis 3. April 2022 im Kunstmuseum Rigas Birza (Doma laukums 6, Riga) zu sehen ist. Die Überlegungen der Kuratorin Ksinija Rudzite deuten auf einen vielseitigen Künstler mit wechselvoller Biographie: “Diese thematischen Zyklen gestalten die Ausstellung: `Rückkehr in die Heimat`, `Reiseeindrücke`, `In Russland`, `Herausgeberschaft`, `Deutschland und Experimente mit der Keramik`. Der Inhalt der fünf Abteilungen widerspiegelt die Besonderheiten dieser kreativen Künstlerpersönlichkeit: Die Fähigkeit, das Wesentliche des alltäglichen Lebens und historischer Ereignisse wahrzunehmen und darzustellen, die Präzision und der Realismus des Abgebildeten, ein tiefes Interesse für Natur und Menschen, zudem Humor und Ironie. Die Ausstellung offenbart zwei Grundzüge im Schaffen dieses Malers: Eine romantische Tendenz, auf Reisen neue Eindrücke zu sammeln und eine realistische, die rationale Sicht auf das Leben.”


Der Maler, Zeichner und Grafiker war Sohn des Rigaer Bürgermeisters Friedrich Wilhelm Timm. Als Schüler des Gymnasiums Birkenruh bei Wenden begab er sich schon im Alter von 14 Jahren nach Sankt Petersburg, um an der Kunstakademie zu studieren. Er besuchte die Kurse des Schlachtenmalers Alexander Iwanowitsch Sauerweid und wurde ein mit Medaillen prämierter Schüler. Mit einem Stipendium des Zaren reiste Timm 1843 nach Paris, wo er sich beim Historienmaler Horace Vernet einige Jahre fortbildete. Mit ihm begab er sich 1845 auf eine zweimonatige Reise nach Algerien.  


Nach Russland zurückgekehrt begleitete er den Zaren Nikolaus I. auf mehreren Ausfahrten, beobachtete das zaristische Militär im Kaukasus als Schlachtenmaler, hielt auch die Schlacht von Sewastopol während des Krimkriegs auf seinen Gemälden fest. Er gründete die Zeitschrift “Blätter für russische Kunst”, die zwischen 1851 und 1862 erschien. Sie war eine Art bebilderte Chronik des russischen Imperiums. Timm und andere Künstler stellten soziale und politische Ereignisse dar, zeichneten den Alltag der Menschen und die Landschaften in den Provinzen. Zudem illustrierte Timm Texte der zarentreuen und propagandistisch tätigen Autoren Faddei Bulgarin und Nikolai Gretsch.


Der Maler und Grafiker blieb seiner Heimatstadt Riga stets verbunden. Er war eine prominente Persönlichkeit und beteiligte sich regelmäßig an Ausstellungen. Er malte Land und Leute Livlands, war in der Rigaer Künstlervereinigung aktiv. Ab 1867 lebte er in Berlin, wo er sich mit Keramik- und Porzellanmalerei beschäftigte. Die Preußische Akademie der Künste berief ihn zu ihrem Mitglied.  


Seine Urne wurde auf den Großen Friedhof Rigas überführt. Witwe Emilia Timm schenkte die Werke des Gatten den Rigaer Museen. Zudem beauftragte sie die Stadt, mit einem Geldfonds aus ihrem Erbe Studenten zu finanzieren, um ihnen einen Aufenthalt an ausländischen Kunsthochschulen zu ermöglichen.


Der Künstler Georg Wilhelm Timm hatte vielseitige Fähigkeiten. Wegen seiner verschiedenen Aufenthaltsorte und internationalen Kontakte ist er sowohl Teil der lettischen, russischen als auch deutschen Kunstgeschichte. Die Ausstellung zeigt 200 Gemälde aus dem Bestand des Nationalen Lettischen Kunstmuseums, 44 Keramiken aus der Sammlung des Rigaer Stadtmuseums für Geschichte und Schifffahrt sowie gedruckte Ausgaben der Akademischen Universitätsbibliothek. Der Katalog zur Ausstellung enthält eine englische Übersetzung.  


Am 20. Januar 2022 hält Kunsthistorikerin Edvarda Smite im Auftrag von Domus Rigensis einen Online-Vortrag zu diesem Maler deutschbaltischer Herkunft. Sie wird ihn in deutscher Sprache halten. Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr deutscher bzw. 17 Uhr lettischer Zeit. Interessierte sollen sich bis zum 18. Januar unter folgender E-Mail-Adresse anmelden: domus.rigensis@latnet.lv.


UB




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